Archive for the ‘Color / Farbe’ Category

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Wie viel Farbe kaufen Sie eigentlich?

2010/10/28

von jens g.r. benthien · sacalobra.com fotografie · architektur- & industriefotografie · dokumentationen und mehr…

Sie denken jetzt sicherlich, das sei eine ‘komische Frage’. Ist es aber nicht. Denn in der Fotografie gibt es zwei Bereiche, die sich erheblich voneinander unterscheiden: Die analoge oder auch film-basierte Fotografie und die digitale Fotografie. Abgesehen von den endlosen Grabenkämpfen zwischen den Verfechtern der jeweiligen Technologie bleibt – unter anderem – ein grosser Unterschied in der Farbdarstellung. Das analoge Medium ‘Film’ hat unendlich viele Farben, digital nur eine begrenzte, mathematisch definierbare Anzahl von Farben. Oder um es mal in Zahlen auszudrücken: Wird ein Film mit einem modernen Scanner digitalisiert, erhalten Sie ein Bild mit einer Farbtiefe von 3×16 bit = 48 bit. Ein digitales Bild, von einem Sensor aufgenommen, liefert nur in sehr guten Systemen eine Farbtiefe von 3×14 bit = 42 bit, in den meisten Fällen jedoch nur 3×12 bit = 36 bit Farbtiefe. Ausnahmen stellen Systeme für Grossformat-Kameras und hochwertige Mittelformat-Kameras dar.

Gäbe es Systeme, die beispielsweise Farbdias technisch mit einer Farbtiefe von 3×24 bit digitalisieren könnten, würde das ebenfalls funktionieren, denn der analoge Film ist nicht auf physikalischen Mustern aufgebaut.

Übersetzt für Sie bedeutet es, dass Sie mit einem digitalen ‘Bild’ ein in der Farbdarstellung limitiertes Bild kaufen. Einige von Ihnen werden jetzt sagen: Das ist falsch, denn wenn ich ein Bild z.B. mit Photoshop öffne, wird mir angezeigt, dass es eine Farbtiefe von 48 bit hat.

Die Anzeige ist insofern korrekt, als dass die Farbtiefe in der Bild-Datei stimmt, allerdings wurden die ‘fehlenden Bits’ bei der Umwandlung von dem Roh-Format (RAW, DNG) durch Interpolation künstlich hinzugerechnet. Nur: was nicht im Original vorhanden ist, lässt sich später auch nicht mit den tollsten Algorithmen hinein rechnen! Ein Vorgang, den die Industrie eingeführt hat, um die neuen Systeme in besserem Licht gegenüber der erprobten und ausgereiften analogen Technik dastehen zu lassen.

Die Farbtiefe wird folgendermassen definiert:

Die Farbtiefe gibt an, wie viele unterschiedliche Farbstufen für jeden einzelnen Bildpunkt einer Grafik zur Verfügung stehen. Da die „Feinheit“ der Abstufungen davon abhängt, wie viel Speicherplatz pro Bildpunkt verwendet wird, gibt man die Farbtiefe in Bits an. Mit 8 Bit lassen sich z.B. 256 Farbnuancen unterscheiden, mit 16 Bit 65.536 Farbnuancen und mit 48 Bit 281.474.976.710.656 Farbnuancen.

Quelle: Wikipedia (Die Darstellung zeigt jeweils die Abstufungen oder Farbnuancen pro Farbkanal an, d.h. je 8 bit für Rot, Grün, Blau ergibt eine Farbtiefe von 24 bit RGB**, wie es z.B. Ihr Computer-Monitor darstellen kann – für die Bildschirmdarstellung ausreichend, für die Fotografie und Folgeprozesse wie beispielsweise hochwertige Ausbelichtungen oder Drucke nicht brauchbar).

Nun werden Sie argumentieren, dass das menschliche Auge wohl kaum in der Lage sein wird, 281.474.976.710.656 Farbnuancen zu differenzieren. Das ist soweit richtig. Aber: mit 42 Bit lassen sich nur 4.398.045.511.104 und mit 36  bit nur 68.719.476.736 Farbnuancen darstellen.

Rechnen wir mal:

  • 48 bit -> 281.474.976.710.656 = 100 % -> alle möglichen Farbnuancen
  • 42 bit -> 4.398.045.511.104 = 1,562 % -> ein relativ kleiner Ausschnitt aus der möglichen Anzahl von Farbnuancen
  • 36 bit -> 68.719.476.736 = 0,024 % -> zu wenig für ein vernünftiges Foto

Ooooops! Ich weiss, dass jetzt viele Leser (und auch ‘Profis’) jetzt sagen werden: Das reicht doch.

Nein, eben nicht. Der Kunde bezahlt den vollen Preis, also hat er auch das Recht auf die volle Farbtiefe, die technisch und physikalisch möglich ist. Abgesehen davon gibt eine geringere Farbtiefe bei der Weiterverarbeitung Probleme: weiche Farbübergänge reissen im Druck ab, d.h. es entsteht ein sogenanntes Banding wie in der obigen Darstellung mit 16 Abstufungen. Darüber hinaus werden die dunklen und sehr hellen Bildbereiche nicht mehr differenziert, d.h. die Schatten laufen im Druck zu, die Lichter und hellen Partien eines Fotos fressen aus, d.h. es wird statt verschiedener, feiner und differenzierbarer Weiss-Töne nur noch reines Weiss dargestellt.

Kommen wir zurück zur eingangs gestellten Frage: wissen Sie wirklich, welche Farbtiefe Sie normalerweise einkaufen? Sind Sie damit zufrieden, oder legen Sie – noch oder schon wieder – Wert auf hohe Qualität?

Vielleicht sollten Sie sich bei der Vergabe des nächsten Foto-Shootings einmal nach der Farbtiefe erkundigen, die der Sensor des verwendeten Kamera-Systems liefert, und überlegen, ob die Limitierungen Ihren Anforderungen genügen. Ich arbeite grundsätzlich mit 48bit Farbtiefe und liefere Ihnen entsprechende Resultate.

**Das Kürzel RGB steht für den aus den drei Grundfarben Rot, Grün, Blau (RGB) bestehenden Farbraum für die additive Farbmischung, mit der beispielsweise Computermonitore arbeiten. Zu jedem binären Muster, das einem Pixel zugeordnet wird, gibt es in einer Tabelle drei Bytes, die für diese drei Grundfarben stehen. Der Inhalt dieser Bytes kann Werte zwischen 0 und 255 annehmen, die dem Grad der Farbintensität entsprechen (je höher, desto heller). Da jedes dieser RGB-Bytes 256 mögliche Werte haben kann, ergeben sich daraus 256x256x256 verschiedene Farbton-Möglichkeiten, also 16.777.216 Farben. Das entspricht einer 24Bit-Farbtiefe, die auch als “TrueColor” oder “Echtfarbe” bezeichnet wird, wobei man die Begriffe ‘True’ und ‘Echt’ in diesem Kontext ausschliesslich im Computerbereich verwendet. In der Fotografie ist diese Farbtiefe noch Welten von ‘True’ und ‘Echt’ entfernt!

Weitergehende Informationen über den Unterscheid zwischen den Farbtiefen erhalten Sie hier

How much color do you purchase?

You must be thinking this is a “ridiculous question”. But it is not. In the photography, there are two areas that are significantly different: the analog or film-based photography and digital photography. Apart from the endless grave conflicts between the proponents of the technology is – among other things – a big difference in color appearance. The analog medium ‘film’ has an infinite number of colors, digital only a limited, mathematically definable number of colors. Or to put it into numbers: If a film is digitized with a modern scanner, you get a picture with a color depth of 3 × 16 bit = 48 bit. A digital image, taken by a sensor from only very good systems, a color depth of 3 × 14 bit = 42 bit, in most cases, however, only 3 × 12 bit = 36 bit color depth. Exceptions are systems for large format cameras and high-quality medium-format cameras.

If there were systems that could digitize such as color slides technically with a color depth of 3 × 24 = 72 bit color depth, it would work as well, because the analog film is not based on physical samples.

Translated for you, it means that you buy a digital ‘image’ in the limited color space. Some of you will say: This is wrong, because if I open a picture with Photoshop, the information bar show me it has a color bit depth of 48.

The information is correct in this respect of the true color in the image file, however, the ‘missing bits’ in the conversion of the raw format (RAW, DNG) had been added artificially by interpolation. If the color information is not included in the original, you can’t add it by no means later, not even with the wildest algorithms! A task that has been imposed by the industry to present and promote their new systems in a better light compared to the tried and proven analog technology.

The color depth is defined as follows:

The color indicates how many different shades for each pixel of a graphic is available for. Since the “fineness” of the steps depends on how much space is used per pixel, one gives color depth in bits of the. With 8 bits can be for example, 256 different shades, with 16-bit 65,536 color shades and 48-bit 281,474,976,710,656 colors.

Source: Wikipedia (The diagram shows each scale, or color shades per color channel to, i.e. the 8 bits for red, green, blue is a color depth of 24 bit RGB **, as your computer monitor can display – the screen display is sufficient for non photography use, but not for the subsequent processes such as high-quality prints or photographs with a LightJet or Durst Lambda).

Now you will argue that the human eye will hardly be able to differentiate 281,474,976,710,656 colors. This is almost correct. But with 42-bit can you can only define 4,398,045,511,104 with 36 bit only 68,719,476,736 colors.

Let’s do the math:

  • 48 bit -> 281.474.976.710.656 = 100% -> all possible shades
  • 42 bit -> 4.398.045.511.104 = 1.562% -> a relatively small portion of the possible number of color variations
  • 36 bit -> 68,719,476,736 = 0.024% -> not enough for good photographs.

Ooooops! I know that now many readers (and even ‘experts’) will say: That’s enough.

No, it is not. The customer pays the full price, so he has the right to the full color depth, which is technically and physically possible. Apart from that is a lower color depth a matter of processing problems: originally smooth color transitions produce a visible color banding when being printed, that means a so-called banding occurs as shown in the above image with 16 grades/shades. In addition, the dark and bright image areas not differentiated, that is, the shadow run dark in print (they are ‘drowned’), the lights and light areas of the image are clipped, that means instead of showing subtle shades of white there is only a blank, pure white space in the highlights.

Getting back to the original question: Do you really know what color depth you usually buy? Are you satisfied or are you – still or already again – looking for high quality?

Maybe you should ask before  the next shooting even about the color depth you will get, the sensor of the camera used, the system specs, and consider whether your needs meet the limitations. I generally work with 48-bit color depth, and deliver results according to the high standards.

** The acronym RGB stands for the three primary colors red, green, blue (RGB) color space for the existing additive color mixture, such as computer monitors work with. For each binary pattern that is assigned to a pixel, there are three bytes in a table, representing the three primary colors. The contents of these bytes can take values between 0 and 255, corresponding to the degree of color intensity (the higher, the brighter). Since each of these can have 256 possible values of RGB bytes, that implies 256x256x256 different color options, so 16,777,216 colors. This represents a 24-bit color depth, which is also called “true color” or “real color”, considering that the terms ‘True’ and ‘real’ in this context can be used only  in computer business. In photography, the digital camera color depth is still worlds away from ‘True’ and ‘real’!

More information about the differences between the color depth is available here

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Wie sehen Sie Farben?

2010/10/28

Die Fähigkeit, Farbe wahrzunehmen und sehen zu können, ist in der Fotografie unabdingbar. Auch wenn digitale Systeme uns vorgaukeln, das Non-Plus-Ultra und somit quasi Garant für korrekte Farben zu sein, sind sie weit von der Realität entfernt. Sicher, es gibt diverse Mess-Systeme, mit denen man die Bildbearbeitungs-Prozesse (‘post production’, ‘RAW processing’) optimieren kann. Aber was ist draussen, on location, dort, wo der Fotograf keinen Stromanschluss hat und sich auf seine Augen und sein Können verlassen muss?

Eben, dort trennt sich die Spreu vom Weizen. Es muss sich sicher sein, dass er keine ‘Fehlfarben’ sieht oder in einem bestimmten Spektrum farbenblind ist. Abgesehen davon hat ein guter Fotograf unter anderem ein Auge und einen Sinn für Farben und Szenen. Ein Kamera kaufen und bedienen kann jeder, aber zu guten Fotos gehört viel mehr als nur ein Stück digitaler Technik.

Heute morgen bekam ich eine e-mail von einem Hersteller für Farbmess- & Kalibrierungs-Systeme. Darin die Vorstellung für ein neues System, um den gesamten Arbeitsprozess (Neu-Deutsch: workflow) zu kalibrieren. Aha. Ja, also ich habe u.a. meinen Monitor mit einem recht simplen System und meinen Augen kalibriert. Hatte ich das in sogenannten ‘Fachkreisen’ geäussert, wurde ich belächelt, nach dem Motto: das geht nicht, das kann niemand, etc.

Nun wollte ich es wissen: bin ich farb-fehlsichtig, farbenblind oder kann ich mich auf meine Augen verlassen? Auf der web site bietet der Hersteller ein kleines Programm an, um zu testen, wie gut man Farben sieht.

Screen 01 zeigt Farbleisten, in denen die Farbmuster zwischen den Extremen willkürlich platziert wurden. Die Aufgabe besteht darin, die Farbmuster in der richtigen Reihenfolge zu positionieren:

Sreen 02 zeigt meine Sortierung:

Soweit, so gut. Es sieht fast perfekt aus.

Screen 03 zeigt das Ergebnis:

Aha, dort kann ich sehr schön sehen, in welchem Spektralbereich meine Schwäche liegt. 0 Punkte: perfektes Farbsehen, 1520 Punkte: komplett farbenblind ;-). Mit 4 Punkten kann ich recht zufrieden sein, wenn ich berücksichtige, dass ich meinen Monitor mit meinen Augen und meinem eingebauten Farbsinn anhand von Farb-Mustern kalibriert habe. Naja, wenn das nicht so wäre, hätte ich mit Sicherheit meinen Beruf verfehlt…

Screen 04 zeigt den Vergleich zu anderen Teilnehmern:

Das ist richtig spannend, oder? Machen Sie doch auch mal den Test: Color IQ Test von