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Wohin die Immobilien-Reise geht

2011/02/13

Wohin Sie in Spanien sehen, der inländische Immobilienmarkt ist – von wenigen Ausnahmen abgesehen – tot. Die Preise fallen ins Bodenlose, ein Ende der Talfahrt ist noch nicht abzusehen, auch wenn Banken und Regierung gern andere Visionen verbreiten.

Ganz ehrlich: es muss noch viel schlimmer und härter kommen! Nicht nur Sie sind dem Immobilien-Hype der Spanier auf den Leim gegangen, Hunderttausende oder Millionen Andere auch. Sie sind Opfer der Immobilienmafia und der Gier geworden, und genau dies muss ein Ende haben.

Die Spanier haben es perfekt ausgenutzt, die Nordeuropäer (und auch ihre eigenen Landsleute) auszunehmen. Weisse Wände, blauer Himmel, gelber Strand, türkisfarbenes Meer, Palmen, Oleander, Pinien – da wurde jeder Preis ohne Nachfrage bezahlt. Die Nordeuropäer haben nichts hinterfragt oder geprüft, sie sind davon ausgegangen, dass die gewohnten Bau-Standards auch in Spanien gelten. Aber das war und ist der grösste Irrtum in der spanischen Immobiliengeschichte, der viele Menschen jetzt in die Armut, zumindest jedoch in die Verlustzone treibt.

Spanische Häuser sind weiter vom deutschen Standard entfernt als die Erde vom Uranus. Selbst heute noch werden in den Vororten von Granada auf über 1.000 Meter Höhe Neubauten ohne Isolierung in den Wänden, ohne Isofenster, ohne Schallisolierung, ohne Heizung (!) hochgezogen, zu Preisen, die weit über denen vergleichbar grosser deutscher Wohnungen liegen. Ich schreibe extra ‘vergleichbar grosser’, denn vergleichbar sind deutsche und spanische Wohnungen oder Häuser auf keinen Fall:

Eine deutsche Eigentumswohnung mit ca. 60 m² Wohnfläche kostet – abhängig von der Lage – ca. 120.000 Euro. Mit jedem erdenklichen Komfort wie Isolierung der Wände, Behaglichkeit im Winter dank sauberer Zentralheizung, sauber verfliesten Fussböden, graden Wänden, isolierten Kupferleitungen, nach DIN verkabelter Elektro-Installation, winddichten Isofenstern, sauber verlegten Teppichböden, abgedichteten und isolierten Dächern, solider Bauweise, aufgeräumten Grundstücken, wasserdichten Garagen.

Eine gleich grosse Wohnung in Spanien kostet immer noch das Doppelte (während des Hypes mit der Hochpreisphase bis zum Vierfachen und mehr!). Jedoch ohne Isolierung der Wände, mit einem lausigen Mini-Fundament, schiefen Fussböden, wellig verputzten Wänden, nicht isolierten Kupferleitungen, wild verkabelter E-Installation, winddurchlässigen Fenstern, durchlässigen Dächern, Schrottsteinen in den Wänden, Grundstücken mit Baumüll, Garagen die unter Wasser stehen wenn es regnet und OHNE Heizung.

Die exorbitanten Preise wurden ganz dreist verlangt – und leider bezahlt. Der ‘Sonnenfaktor’ machte es möglich, und der ‘Blaue Himmel Faktor’ machte die Käufer blind. Kurz: es wurde bis zu 4 Mal so viel für ein Objekt in Spanien bezahlt wie in Deutschland, für maximal ein ¼ der Qualität.

Jetzt zeigen Sie nicht mit dem Finger auf mich – ich habe Ihnen den Krempel nicht angedreht, ich habe immer vor den Machenschaften gewarnt! Lesen Sie weiter, um zu erfahren, weshalb der spanische Immobilienmarkt auf absehbare Zeit tot bleiben wird.

Halten wir fest: In Spanien wurden Immobilien mit einem Faktor 8 verramscht, bezogen auf deutsche Qualität und Standards. Nur weil die Sonne scheint und der Himmel blau ist.

Wenn ich Ihnen jetzt sage, dass der gesetzliche Mindestlohn für einen Bauarbeiter in Andalusien vor 2 Jahren bei 8,60 Euro pro Tag (!) lag, dann dämmert Ihnen langsam, wie billig die Hütten hochgezogen wurden, und wie viel Gewinn die Bauunternehmen, Immobilienhaie und allen voran die Banken gemacht haben. Denken Sie besser nicht darüber nach, ob die Bauarbeiter – unabhängig von den Gewerken – eine Ausbildung hatten. Hatten sie nicht. Tausende Spanier sind aus der Grundschule gelaufen und haben die (Aus)Bildung geschmissen, weil sie ‘dicke, fette Kohle’ als Abzocker im Immobilienmarkt machen konnten. Der Spanier verdient sein Geld nicht durch Arbeit, er gewinnt es: im Spanischen gibt es das Wort ‘verdienen’ nicht, nur ‘ganar’ = gewinnen. Über Jahrzehnte funktionierte dies System – die Nordeuropäer erarbeiteten und verdienten ihr Einkommen und haben es nach Spanien getragen, damit es dort ‘gewonnen’ werden konnte.

Dieses System wiederum war Grundlage für die Korruption, von der sich die Nordeuropäer keine Vorstellung machen können. Als Griechenland ‘notleidend’ wurde hiess es, dass die dortige ‘gewaltige, omnipräsente und unvorstellbare Korruption’ abgebaut werden müsse, damit das Land sich stabilisieren könne. Diejenigen, die das geschrieben haben, wissen noch nichts von der spanischen Korruption – wenn die Machenschaften der Spanier ans Tageslicht kommen, wird ein Beben der Erschütterung durch Europa rollen. Die Bauunternehmer machten Gewinne ohne Ende, nur ein Teil wurde versteuert, ein Grossteil den kommunalen Fürsten in die Weste gesteckt um neue Genehmigungen zu bekommen, die auf normalem Weg per Gesetz oder königlichem Dekret verboten waren (Bau direkt an der Küste, etc.)

Ein Beispiel: Ein Objekt, das für 240.000 Euro verkauft wurde, hat in der Herstellung weniger als 30.000 Euro gekostet. Wenn überhaupt. Spätestens jetzt sollte Ihnen klar werden, dass Sie 200.000 Euro für heisse Luft bezahlt haben.

Ihr Problem: Die Käufer von heute und morgen wissen über diese überzogenen Profite und mangelhafte Qualität. Die Schere geht immer weiter auseinander – zu Ungunsten der Immobilienverkäufer. Schon vor zwei Jahren konnten sich spanische Bauunternehmer nur mit Bodyguards in den Gross-Städten wie Madrid, Zaragoza, Málaga und Barcelona bewegen, sonst wären sie bereits von den eigenen Landsleuten auf offener Strasse gelyncht worden (Tele5 hat fast täglich darüber berichtet).

Jetzt haben Sie ungefähr eine Vorstellung davon, in welcher Situation Sie sich als Immobilienbesitzer in Spanien zur Zeit befinden. Erst wenn die spanischen Immobilienpreise soweit in den Keller gegangen sind, dass sie den realen Wert reflektieren, d.h. entsprechend der Qualität in Relation zu deutschen oder nordeuropäischen Standards bei einem Bruchteil der deutschen Preise angelangt sind, wird sich der Markt stabilisieren. Und dann dürfen wir den Spaniern gern einen kleinen Zuschlag für die Sonnenlage, den blauen Himmel und das türkisfarbene Meer zugestehen. Nicht mehr, nicht weniger.

Im Klartext: erst wenn ein Objekt in Spanien im Vergleich zu einem deutschen Objekt nur noch ¼ kostet, ist der Markt dort angekommen, wo er hingehört. Alles andere ist heisse Luft und Betrug.

Mehr zu dem Thema in der wirtschaftswoche

Auszug/screenshot copyright by wirtschaftswoche

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